Ein Nahwärmenetz für Steinhorst?

Foto: Vanessa Deckwer

Gibt es bei Minustemperaturen, Schnee und Eis ein besseres Thema für eine Infoveranstaltung als Wärme und Heizung? Wahrscheinlich nicht.

Genau dazu hatte die Gemeinde Steinhorst am vergangenen Donnerstag, den 29. Januar, ins Schützenhaus eingeladen. Unter dem Leitgedanken „Zukunftssicher. Regional. Klimafreundlich.“ informierte die Gemeinde über die Möglichkeit einer gemeinsamen, klimaneutralen Wärmeversorgung durch ein Nahwärmenetz. Rund 160 interessierte Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung und machten sich – teils rutschend durch Schnee und Eis – auf den Weg ins Schützenhaus.

Gemeinde Steinhorst

Als Referent begrüßte Bürgermeister Percy Pfeiff Herrn Martin Kopp vom Sanitär- und Heizungsunternehmen Lange & Typky aus Helmstedt. Kopp stellte in seinem Vortrag das Prinzip von Nahwärmenetzen vor und sprach über deren mögliche Rolle für eine zukunftssichere, unabhängige Wärmeversorgung ohne fossile Brennstoffe.

Foto: Vanessa Deckwer

Zu Beginn erläuterte Kopp das „Warum“ eines Wärmenetzes. Neue gesetzliche Vorgaben, ein zunehmender Bürokratiedschungel, eine unstete Preislage auf den Energiemärkten sowie vielfach veraltete und umweltunfreundliche Heizungsanlagen führten dazu, dass Alternativen zur klassischen Öl- oder Gasheizung für viele Haushalte immer attraktiver würden. „Die Lage ist ernst“, so Kopp mit Blick auf die aktuelle Versorgungssituation, insbesondere bei Gas. Die Gasspeicher seien derzeit vergleichsweise leer, während die großen Akteure auf dem Weltmarkt – Russland und die USA – gut im Geschäft seien.

Ein öffentliches Nahwärmenetz könne hier eine verlässliche und unabhängige Wärmeversorgung bieten – mit stabilen Preisen und ohne Abhängigkeit von weltweiten Spekulationen und Verknappungen fossiler Brennstoffe. Der Bau eines solchen Netzes sei nicht verpflichtend, wohl aber, dass Eigentümer nach Ablauf terminlicher Fristen 65% erneuerbare Energien bei Einbau einer neuen Heizungsanlage vorweisen müssten.

Viele Verbraucher seien derzeit verunsichert, erklärte Kopp weiter. Anhand einer Preisübersicht der vergangenen Jahre zeigte der Unternehmer, dass Öl, Gas und Pellets deutliche Preisspitzen aufwiesen, während die Preise für Holzhackschnitzel über einen langen Zeitraum vergleichsweise stabil geblieben seien. Nahwärme mit Holz sei laut einer aktuellen Vergleichsrechnung langfristig als die günstigste Variante prognostiziert.

Lange & Typky

Ob sie denn noch andere erneuerbare Energien in Betracht ziehen würden? Für die Beantwortung dieser Frage gab Kopp das Wort an den Bürgermeister weiter. Pfeiff ging also auf mögliche Energiequellen ein und ordnete diese für Steinhorst ein: „Biogas aus Steinhorst ist in den Gesprächen durchaus ein Thema“, erklärte Pfeiff. „Für Geothermie haben wir von dem angefragten Unternehmen allerdings bereits eine Absage erhalten.“ Auch Wasserstoff spiele in der Region aktuell keine Rolle, so Kopp erneut: „Das ist derzeit schlicht zu teuer und die Technik zu aufwendig.“ In Steinhorst sei daher eine Versorgung über eine Hackschnitzelheizung angedacht, gespeist mit regionalem Holz, was nicht nur die Preise stabil halte, sondern auch die regionale Wertschöpfung stärke.

Immer wieder verwies der Vortrag auf den möglichen Standort einer Heizungszentrale auf dem Gelände der DSV am Ortsausgang Steinhorst Richtung Groß Oesingen. Dort sei ausreichend Platz für solch ein Projekt samt Brennstofflager auf freier Fläche vorhanden. Mit moderner Technik, leistungsfähigen Maschinen und einem großen Pufferspeicher solle eine zuverlässige Wärmeversorgung der angeschlossenen Haushalte gewährleistet werden. Zur besseren Veranschaulichung zeigte Kopp Bilder von Hausanschlüssen sowie Wärmeübergabestationen im Gebäudeinneren.

Ein zentraler Punkt des Abends waren die Fördermöglichkeiten. „Ohne Förderungen sind wir hier nicht wettbewerbsfähig“, stellte Kopp klar. Gefördert werde der Anschluss an ein öffentliches Wärmenetz, wenn mindestens 75 Prozent der Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien stammen. Bezuschusst würden auch Umfeldmaßnahmen im eigenen Hausnetz, etwa Installation, Inbetriebnahme und notwendige Arbeiten im Heizraum. Für Hauseigentümer bedeute dies unter anderem eine übersichtliche Kostenstruktur, den Wegfall von Wartungskosten für die eigene Heizungsanlage, keinen CO₂-Preisaufschlag sowie mehr Platz im Keller durch den Rückbau alter Wärmeerzeuger. Vorhandene Solaranlagen und Kamine könnten weiterhin betrieben werden, die Station selbst bliebe Eigentum des Wärmenetzbetreibers.

Deutlich wurde an diesem Abend auch: Je dichter das Wärmenetz und je mehr Hausanschlüsse, desto wirtschaftlicher und günstiger werde es für jeden einzelnen Verbraucher. Entsprechend erhielten die Gäste einen Fragebogen, der bis Anfang März ausgefüllt abgegeben werden soll, um eine bessere Planung und Kalkulation zu ermöglichen.

Unter diesem Beitrag ist der Fragebogen auch herunterladbar als PDF-Datei!

Achtung, das Gemeindebüro Steinhorst ist im Februar geschlossen!

Fragebogen Nahwärmenetz
Carmen Harder-Kopp

Nach Abgabe aller Fragebögen solle dann eine präzise Vorplanung erfolgen. In diesem nächsten Schritt würden die Machbarkeit überprüft sowie eine erste konkrete Preiskalkulation erstellt, auf welche dann in einer Art Anschlussveranstaltung zu diesem Thema eingegangen werden solle. Auch die Frage, in welcher Unternehmensform ein mögliches Wärmenetz künftig betrieben werden könnte, würde dann betrachtet. Wie genau dies aussehen könnte, ist derzeit nämlich noch völlig offen.

Zugleich bleibt die entscheidende Frage des „Ob?“ bestehen. Finden sich nicht genügend Interessierte, wäre das Projekt wirtschaftlich wohl kaum umsetzbar. Erschwerend kommt hinzu, dass neben den üblichen Leitungsverlegungen zwei Unterquerungen der Lachte angedacht seien, um das Wärmenetz vollständig realisieren zu können. Mit konkreten Bauarbeiten sei jedoch aller frühestens ab Mitte 2027 zu rechnen.

Foto: Vanessa Deckwer

Im Anschluss an den Vortrag nahm sich Martin Kopp Zeit für zahlreiche Fragen aus dem Publikum. Dabei ging es unter anderem um Notfallkonzepte bei einem möglichen Ausfall der Anlage – ein entsprechender Notfallplan sei vorgesehen – sowie um die Herkunft der Holzhackschnitzel. Diese sollen zunächst aus der Region stammen, eine spätere Ausweitung des Lieferumkreises bleibe jedoch vorbehalten.

Zum Abschluss bedankte sich Bürgermeister Percy Pfeiff für das große Interesse und lud alle Anwesenden herzlich zur nächsten Bürgerversammlung mit anschließendem „Koschale eeten“ am 20. Februar erneut ins Schützenhaus Steinhorst ein.

Vanessa Deckwer

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