70 Jahre Landjugend Steinhorst – Was für ein Wochenende!

Start in das Wochenende

Vorab: Ja, ich hab mich nicht kurz fassen können. Mal schauen, was die Zeitung draus macht, aber hey, hier habe ich Platz, um mich schriftlich auszutoben 🙂


„Achtung, Achtung, sehr verehrtes Publikum, bitte nehmen Sie Ihre Plätze ein…“, dröhnte es aus den Lautsprechern, bevor Stephan Grüneweg, gekleidet in einem eleganten weißen Anzug, die Bühne in der Drögemüllerschen Kartoffelscheune im Heidloh betritt und die über 200 Gäste des Freitagabends zum großen 70 jährigen Jubiläum der Landjugend Steinhorst willkommen heißt. „Ich fühle mich sehr geehrt, heute Ihr Moderator sein zu dürfen“, freute sich der Wahlhamburger, der auch bereits bei den letzten beiden Jubiläen durch den Abend geleitet hatte. Grüneweg übergab zunächst das Wort an den ersten Vorsitzenden Malte Frischke.

70 Jahre Landjugend Steinhorst

Frischke blickte in seiner ausführlichen Rede auf die Geschichte der Landjugend zurück – Am 14. Januar 1956 wurde die Landjugend Steinhorst im Gasthof Heine gegründet. Theateraufführungen, Volkstänze, Gruppenabende und gemeinsame Aktionen gehörten schon damals zum Vereinsleben.

Eine besondere Erwähnung erhielt natürlich der Gasthof Heine. Jahrzehntelang war er Vereinslokal und Mittelpunkt des Dorfes, bevor das Gebäude 2020 abgerissen wurde. Ein kleines Stück Heine ist allerdings erhalten geblieben: Das leuchtende Eingangsschild konnte „gerettet“ werden und hing für das Jubiläum über dem Eingang der Kartoffelscheune.

Heute zählt die Landjugend offiziell 31 Mitglieder. Die Gemeinschaft ist allerdings deutlich größer, denn auch zahlreiche ehemalige Mitglieder, Freunde und Unterstützer gehören weiterhin zum Umfeld des Vereins. Frischke erinnerte zudem an die vielen Aktionen für das Dorf, allen voran die 72-Stunden-Aktion, bei der die Landjugend alle vier Jahre gemeinsam für Steinhorst anpackt.

Sein Fazit: „70 Jahre Landjugend Steinhorst, mehr als ein Verein, sondern ein Stück Heimat.“

Was schenkt man einer 70-Jährigen?

Auch Pastor Karsten Heitkamp hatte sich zum Geburtstag Gedanken über ein passendes Geschenk gemacht. „Was schenkt man einer 70-Jährigen, die bereits alles hat?“, fragte er.

Seine Antwort: ein Apfel mit aufgespießten Geldscheinen.
Und damit war auch die Brücke zum Mettigel / Käseigel geschlagen, der vermutlich ungefähr in jener Zeit seinen Siegeszug auf deutschen Partys antrat, als die Steinhorster Landjugend gegründet wurde. Ob der Igel nicht vielleicht sogar ein gutes Wappentier für die Landjugend wäre, fragte Heitkamp augenzwinkernd. Immerhin könnten aus den drei Ähren des bisherigen Logos ja auch „nicht mal ein kleines Brötchen“ gebacken werden.

Nach so viel Geschichte und Rederei wurde es auf der Bühne schließlich lebendig. Stephan Grüneweg kündigte das Theaterstück „Die verrückte Beerdigung“ an. Was ursprünglich einmal als kleine Sketche gedacht war, hatten Melissa Feld und Tobias Pagel kurzerhand zu einem Theaterstück in zwei Akten ausgebaut:

Oma Tafke ist tot. Ihre drei Kinder Hans-Werner (Torben Eikelmann), Ulla (Nina Mallas) und Elke (Melissa Feld) treffen sich gemeinsam mit Pastor Kaiser (Dominic Tietje) in der Gastwirtschaft vom knauserigen Rudi (Lukas Rißmann), um die Beerdigung zu planen. Dabei treffen ein geiziger Alkoholiker, eine schrullige und eine etwas paranoide Schwester aufeinander. Und mittendrin: die beiden Tratschtanten Anneliese (Fenja Hahn) und Frieda (Tobias Pagel), die natürlich genau zuhören, wenn andere etwas zu besprechen haben.

Grußworte und ein rotes Sofa

Nach dem ersten Akt standen zunächst weitere Grußworte auf dem Programm. Bürgermeister Percy Pfeiff wünschte den Gästen „gute Stunden, schöne Begegnungen und unvergessliche Momente“.

Samtgemeindebürgermeister Henning Evers nahm das Alter der Landjugend etwas humorvoller unter die Lupe: „Alt ist man erst, wenn der Bürgermeister zum Geburtstag gratuliert. Ihr habt euch aber gut gehalten.“ Als Geschenk brachte er ein Carepaket mit Schnaps, Blasenpflastern für die durchtanzten Nächte und Anti-Kater-Mitteln für den nächsten Morgen mit. Angesichts des weiteren Programmverlaufs sollte sich diese Zusammenstellung noch als durchaus vorausschauend erweisen.

Auch Inge Elvers, stellvertretende Landrätin des Landkreises Gifhorn, gratulierte zum Jubiläum.

Während auf der Bühne umgebaut wurde, nahm Stephan Grüneweg zwei ehemalige erste Vorsitzende mit auf das rote Sofa: Uwe Schmidt und Thomas „Onno“ Fischer. Gemeinsam wurde über vergangene Zeiten und so manche Erinnerung aus den vergangenen Jahrzehnten gesprochen.

Schmidt hatte Anfang der 1990er-Jahre den Vorsitz inne und wünschte den kommenden Generationen vor allem Frieden. Fischer, der Mitte der 2000er-Jahre Vorsitzender war, hatte einen ganz anderen Wunsch für die Zukunft: einen Gruppenraum. Denn das Haus der Gemeinde, in dem sich derzeit der Gruppenraum der Landjugend befindet, steht zum Verkauf. Auch die ehemaligen Erntekönige Philipp Trunkwalter und Peter Grüneweg durften auf den Polstern platz nehmen.

Vergessen Sie Stefan Raab!

Während alle Augen noch auf das rote Sofa gerichtet waren, wurde im Hintergrund bereits die Bühne kräftig umgebaut. Denn statt des zweiten Akts der Beerdigung wartete die nächste Überraschung.

Marcel Schmidt betrat in einem schillernden Outfit die Bühne und verkündete: „Vergessen Sie Schlag den Raab. Vergessen Sie Schlag den Star. Ja, vergessen Sie Stefan Raab. Willkommen zur ersten Auflage der Jubiläumsshow von ‚Schlag die Landjugend‘!“

Zwei Teams mit jeweils fünf Spielern traten gegeneinander an: fünf aktive Landjugendmitglieder (Anna-Lena Grüneweg, Niklas Hahn, Kevin Zilke, Malte Frischke und Lukas Pagel) gegen fünf Ehemalige (Moritz Hanke, Angela Tietje, Ingo Schilling, Simone Heers und Vanessa Carstens).

Beim ersten Spiel ging es an die Kartoffeln. Beim Kartoffelwettschälen trat jeweils ein Spieler gegen einen anderen an und durfte 3 Kartoffeln auf Zeit von ihrer Schale befreien. Danach folgte „Blamieren oder Kassieren“, bei dem Thomas „Onno“ Fischer kurzerhand die Moderation im Stil von Elton übernahm.

Im roten Fummel kombiniert mit einem knappen Röckchen fungierte Timo Dierks als sexy Nummerngirl zwischen den Runden und wurde reichlich gefeiert.

Für Spiel Nummer drei mussten schließlich 30 Luftballons dran glauben (oder hätten dran glauben müssen, wenn sie alle gtroffen worden wären…). 15 blaue für die Aktiven, 15 gelbe für die Ehemaligen. Mit Dartpfeilen sollten die Ballons zum Platzen gebracht werden. Nach drei Spielen lagen die Aktiven vorne.

Zurück zu Oma Tafke

Bevor „Schlag die Landjugend“ weitergehen konnte (Es braucht ja eine Werbepause, die der Länge von Pro7 würdig wäre), musste allerdings noch die Beerdigung zu Ende gebracht werden. Also hieß es erneut: Vorhang auf für den zweiten Akt. Ein geplündertes Sparschwein, Chaos, wo man nur hinsah, ein zerbrochener Besen, eine Bezahlte unter den Gästen und reichlich Alkohol für die Nerven.

Danach folgten weitere Glückwünsche. Birte Trunkwalter gratulierte im Namen der Landfrauen, Heiner Schmidt für den Landwirtschaftlichen Verein. Für die Kreislandjugend sprach Sascha Bieber, während Luisa Klank als erste Vorsitzende der Bezirkslandjugend gratulierte. Beide sind selbst Mitglieder der Steinhorster Landjugend.

Auch die Niedersächsische Landjugend war vertreten. Landesvorsitzender Gerrit Ruschmeyer und seine Stellvertreterin Franziska Röhrs zeigten sich stolz darauf, dass die Steinhorster mit ihrer langen Tradition als Gruppe Mitglied der NLJ sind.

Wissen, Schnelligkeit und ein bisschen Landjugend-Fachkunde

Dann ging es bei „Schlag die Landjugend“ weiter. Bei „Merk dir das“ mussten sich die Teilnehmer Gegenstände merken, die zuvor in einem Regal aufgestellt worden waren. Wer am Ende mehr Gegenstände richtig aufgeschreiben hatte, ging als Sieger der Runde hervor.

Spiel Nummer fünf hatte es vor allem für eingefleischte Landjugendler in sich: „Wer weiß mehr?“ – Bestandteile der Erntekrone mussten aufgezählt werden, ebenso erste Vorsitzende und Erntekönige seit dem Jahr 2000. Dazu kamen Fragen nach Volkstanznamen und Landjugendgruppen aus den Bezirken Uelzen, Celle und Gifhorn in der NLJ.

Beim letzten Spiel hieß es dann „Gegenstände suchen“. Hier waren Schnelligkeit und Reaktionsvermögen gefragt, wobei das Publikum nochmal mit eingebunden wurde.

Am Ende war das Ergebnis eindeutig: Die Aktiven gewinnen „Schlag die Landjugend“!

Als Preis gab es einen Pokal – und selbstverständlich durfte bei einem 70-jährigen Jubiläum der passende Inhalt nicht fehlen. Im Pokal befand sich Jubiläumsschnaps, wahlweise in den Geschmacksrichtungen Holunder, Brombeere oder Lakritz.

Drei Tänze und eine neue Erntekönigin

Nach so viel Theater und Wettkampf wurde es traditioneller. Der noch amtierende Erntekönig Ingo Schilling richtete einige Worte an die Gäste, erinnerte an legendäre Landjugendabende und wünschte dem neuen Erntekönig eine schöne Amtszeit.

Dann wurden die Stühle beiseite geräumt und die Volkstänzer betraten die Tanzfläche.

Aktive und ehemalige Tänzer eröffneten gemeinsam mit der „Sonderburger Doppelquadrille“. Beim „Kruz König“ zeigten anschließend die jungen Aktiven ihr Können und wurden jubelnd gefeiert. Zum Abschluss wurde der „Steinhorster Hopser“ getanzt. Der Tanz wurde einst von Irene Mütterlein entwickelt und musikalisch von Manfred Uecker unterstützt. Zum Jubiläum standen nun wieder aktive und ehemalige Tänzer gemeinsam auf der Tanzfläche.

Anschließend wurde die Erntekrone hochgezogen und die erste Vorsitzende Lotta Berthold dankte den Unterstützern der Landjugend, bevor sie die neue Jubiläumserntekönigin verkündete: Simone Heers.

Heers war während ihrer aktiven Zeit in der Landjugend in vielen Bereichen engagiert. Da früher die Regelung galt, dass der Erntekönig bzw. die Erntekönigin in Steinhorst wohnen musste, hatte sie für ihren Einsatz bereits vor einiger Zeit eine Ehren-Erntekrone erhalten. Nun durfte sie auch die Jubiläumskrone entgegennehmen – und die Freude darüber war entsprechend groß.

Zu „Won’t Forget These Days“ von Fury in the Slaughterhouse eröffnete die frischgebackene Erntekönigin gemeinsam mit den aktiven Mitgliedern unter der Erntekrone die Tanzfläche („Natürlich muss es ein Lied aus den 90ern sein!“).

Danach wurde mit Musik vom DJ-Team „Party Sensation“ und der Verpflegung des Landhauses Räderloh bis tief in die Nacht gefeiert.

Samstag: Die nächste Runde

Viel Zeit zum Ausschlafen blieb nicht. Am nächsten Morgen trafen sich die Mitglieder, um die Reste der vergangenen Nacht zu beseitigen und die Kartoffelscheune für das Dämmerschoppen und die große Jubiläumsparty herzurichten.

Den musikalischen Auftakt übernahm der Musikzug Betzhorn. Es wurde gesungen, geklatscht, gelacht und auf den Bänken getanzt. Währenddessen entstanden in der Fotobox zahlreiche Erinnerungsfotos. An der Fotowand konnte sich jeder durch einen Kopfausschnitt kurzerhand in ein Steinhorster Landjugendmitglied verwandeln.

Anschließend trat die Band „Up-to-Date“ auf die Bühne. Bis weit nach Mitternacht wurde ausgelassen weitergefeiert.

Auf dem Rückweg gab es dann noch den obligatorischen Zwischenstopp in der Backstube von Michael Meyer, um sich mit Frühstück für den nächsten Morgen einzudecken. Die eine oder andere Person soll wohl noch in der Küche von Familie der neuen Erntekönigin gelandet sein…

Und dann war da noch der Sonntag …

Lange ausschlafen war trotzdem nicht angesagt, der Ort des Geschehens musste wieder hergerichtet werden. Aus der Partyscheune sollte schließlich wieder eine Kartoffelscheune werden. Also standen wenige Stunden später wieder zahlreiche Helfer bereit – mit reichlich Gähnen und dunklen Augenringen.

Damit war das große Jubiläumswochenende geschafft. Ganz vorbei ist das Jubiläumsjahr allerdings noch nicht: Am 18. Oktober öffnet Simone Heers ab 11 Uhr ihren Garten für aktive und ehemalige Mitglieder sowie Freunde der Landjugend. Bei Kaltgetränken, Hochzeitssuppe (so hoffe ich doch) und Kaltschale (davon gehe ich mal stark aus!) wird dann auch die Erntekrone ihren Weg zu ihr finden.

Nach Tagen voller Theater, Volkstanz, Spielen, Jubiläumsschnaps, Musik und reichlich Feierstimmung dürfte eines jedenfalls feststehen:

70 Jahre Landjugend Steinhorst können sich sehen lassen.

Stay tuned! Fotos gibt es morgen – es sind wieder einige Schmackerls dabei!!

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