Pferdesportfestival Allersehl: Es ist zwar „nur“ eine Veranstaltung bei entfernteren Nachbarn, aber ein bisschen Stallluft darf die Gemeinde Steinhorst nun auch schnuppern:
Zwischen Stallgasse und Siegerrunde: Allersehl sattelt wieder auf
Hufe klappern, Pferde wiehern, auf dem Sandplatz geht es im Galopp auf die nächste Stange zu. Wer am Wochenende auf der Reitanlage Bock in Allersehl unterwegs war, musste nicht lange überlegen, was hier los war. Es war wieder Turnier. Das Pferdesportfestival in Allersehl um genau zu sein.
Und was für eines: Bei rund 25 Grad und strahlendem Sonnenschein ließ sich Ende September beinahe vergessen, dass der Herbst längst vor der Tür steht. Es war nicht ganz so heiß wie bei der Weltmeisterschaft in Aachen im August, aber warm genug, dass Jacken und Decken im Auto bleiben konnten. Nur die langen Schatten am späten Nachmittag erinnerten daran, dass die Tage wieder kürzer werden.


Fotos: Vanessa Deckwer
Comeback des Pferdesportfestivals?
Ganz das große Pferdesportfestival Allersehl von früher war es noch nicht. Die Zeiten, in denen hier der Große Preis von Niedersachsen ausgetragen wurde, sind vorbei. Das Comeback nach zehn Jahren war bewusst kleiner angelegt und eher kurzfristig auf die Beine gestellt worden. Werbung, Zuschauer- und Teilnehmerzahlen ließen sich entsprechend nicht mit der früheren Dimension des Festivals vergleichen.
Dass es überhaupt so lange still wurde, hatte vor allem einen Grund: 2016 lief der Vertrag mit Volkswagen als Hauptsponsor aus. Ohne den großen Geldgeber war ein Turnier in der früheren Größenordnung nicht zu stemmen. Diesmal war auf dem Gelände vor allem ein anderer Name vielfach vertreten: Gilde. Die Brauerei sponserte unter anderem das Barrierenspringen unter Flutlicht am Freitagabend.
Schon der Parkplatz erzählte von Vergangenheit und Gegenwart. Die Autos der Besucher standen auf dem Rasenplatz, auf dem früher die großen Springen des Pferdesportfestivals ausgetragen wurden. Wo einst die Hindernisse für die ganz großen Prüfungen standen, reihten sich diesmal die Fahrzeuge der Zuschauer aneinander.


Fotos: Vanessa Deckwer
Doch wie kam die Rückkehr des Pferdesportfestival Allersehl bei den Veranstaltern an?
„Wir sind sehr, sehr, sehr zufrieden, es hätte nicht besser sein können. Alle sind sehr positiv eingestellt“, sagt Kai Laibach, Vorsitzender des RFV Isenhagener Land, der gemeinsam mit Holger Bock die Turnierleitung übernahm und beim Um- und Abbau des Parcours selbst mit anpackte.
Sportlich hatte die Neuauflage einiges zu bieten. 16 Prüfungen von Klasse E bis S* standen auf dem Programm. Während auf dem Platz noch die ersten Nachwuchsreiter ihre Runden drehten, wurde wenig später um Hundertstelsekunden über hohe Hindernisse gekämpft.
Allein am Freitag gingen 40 Pferde in der Springpferdeprüfung Klasse M* an den Start. Am Samstag folgten neben kleineren Prüfungen unter anderem ein S*-Youngster-Springen und ein S*- Punktespringen über 1,40 Meter, am Sonntag das abschließende S*-Springen mit Siegerrunde über dieselbe Höhe. Ausgeschrieben war das Turnier deutschlandweit, und gerade die vier S-Prüfungen, dotiert mit bis zu 3000 Euro, lockten auch einige Berufs- und Profireiter nach Allersehl.
Entsprechend gemischt war das Starterfeld. 163 Reiter standen am Ende auf der Teilnehmerliste, aus der unmittelbaren Nachbarschaft ebenso wie aus Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein oder dem Rheinland. Wer als Profi kam, kam selten allein: Einige Reiter hatten gleich mehrere Pferde im Gepäck bzw. auf dem Transporter dabei.
Erfolgreiche Starter
Für Justus Sternschulte vom Ländlichen RFV Kirchhellen hat sich die weite Anreise aus Nordrhein- Westfalen jedenfalls gelohnt. Am Samstag gewann er mit Kelline das S*-Youngster-Springen. Im selben Springen landete er mit Blue Touch auf Rang vier. Am Sonntag drehte die Stute den Spieß dann um. Bis kurz vor Schluss führte im abschließenden S*-Springen mit Siegerrunde noch FynnJesse Hess vom RFV Hamberge mit Keep my Cool L, fehlerfrei in 43,72 Sekunden. Dann kam Sternschulte als letzter Starter: ebenfalls ohne Abwurf, aber fast zwei Sekunden schneller.
Kaum war das Reiter-Pferd-Paar durchs Ziel, drehte es unter dem Applaus der Zuschauer eine Ehrenrunde, denn die beiden konnte niemand mehr einholen. Zwei Pferde, zwei Tage, zwei Siege.


Fotos: Vanessa Deckwer
Dazwischen lag wohl eine recht kurze Nacht. Beim Bayerischen Abend im Festzelt gab es gleich doppelten Grund zum Feiern: das Comeback des Turniers und den Geburtstag von Holger Bock, der ihn dort mit seinen Gästen feierte. Wie lang die Nacht wurde, verriet Sternschulte am Sonntag. Bei der Siegerehrung drückte man ihm ein Mikrofon in die Hand, und er erzählte, dass die Party bis in die frühen Morgenstunden gegangen sei. Dem Sieger war davon im Parcours jedenfalls nichts anzumerken.
Viele goldene Schleifen
Noch eine Spur gründlicher räumte Laura Strehmel ab. Gleich 3x belegte die gebürtige Brandenburgerin an diesem Wochenende die ersten beiden Plätze: am Freitag in der M*-Springpferdeprüfung, am Samstag im M**-Springen über 1,30 Meter mit Costa Rica 69 und Vuitton 9 und am Sonntag in der Zwei-Phasen-Springprüfung über 1,35 Meter mit Elixir France und Apache 306. Fünf goldene Schleifen gehen an diesem Wochenende auf ihr Konto. Wer ihr den Sieg streitig machen wollte, musste also erst einmal an ihr selbst vorbei. Auch in den beiden großen S-Springen ritt sie mit Vuitton 9 und Nicolina GR in die Platzierung, hatte in der Siegerrunde am Sonntag mit einer schnellen Zeit allerdings einen Abwurf zu verzeichnen.
Wie eng es generell an der Spitze zuging, zeigte das S*-Punktespringen am Samstag: 13 von 30 Startern holten die volle Punktzahl, am Ende entschied die Uhr. Carsten Biermann vom RFV Nienburg war mit Suncelina 0,8 Sekunden schneller als Strehmel. Schon zuvor hatte er das M**- Springen gewonnen, in dem Constanze Jahn vom heimischen RFV Isenhagener Land mit Santa Sanita Zweite wurde.


Fotos: Vanessa Deckwer
Überhaupt musste sich die Region nicht verstecken. Im Youngster-Springen landeten Thilo Schulz vom RFV Clenze und Jan Grochowski vom RFV Himbergen direkt hinter dem Sieger. Auch der Gastgeber war im Parcours vertreten, wenn auch nicht selbst im Sattel: Quick Decision 11 aus dem Besitz von Holger Bock platzierte sich unter Philipp Ahlmann in beiden großen S-Springen.
Nachwuchs trifft Spitzensport beim Pferdesportfestival Allersehl
„Nachwuchs trifft Spitzensport“: Das Motto des Festivals hielt an diesem Wochenende, was es versprach. Für den RFV Isenhagener Land war das Turnier auch eine Gelegenheit, den eigenen Nachwuchs wieder vor heimischem Publikum antreten zu lassen. Und das Publikum kam: Über Stunden fanden sich immer wieder Menschen am Ort des Geschehens ein.
Was am Rand des Sandplatzes nach einem entspannten Wochenende mit Pferden, Sonnenschein und Turnierpommes aussieht, bedeutet hinter den Kulissen einiges an Arbeit. Rund 30 freiwillige Helfer waren im Einsatz. Sie bereiteten den Platz vor, bauten den Parcours auf, zwischen den Prüfungen um und am Ende wieder ab, und sie kümmerten sich um die vielen organisatorischen Kleinigkeiten, die kaum ein Zuschauer bemerkt. Laibach weiß, was er an ihnen hat: „Danke an die Sponsoren und die vielen freiwilligen Helfer. Ohne die würde es nicht gehen.“


Fotos: Vanessa Deckwer
Ob das Pferdesportfestival wieder regelmäßig nach Allersehl zurückkehrt, lässt der 1. Vorsitzende dabei offen. „Mal gucken, wie es weiter geht.“ Zunächst wollen die Veranstalter das Wochenende gemeinsam auswerten und Bilanz ziehen. Und vielleicht ist das nach zehn Jahren Pause erst einmal die wichtigste Nachricht: Die Pferde sind wieder gesattelt.
Weitere Ergebnisse des Wochenendes sind auf Equiscore zu finden.
Bericht & Bilder: Vanessa Deckwer. Artikel auch erschienen im Isenhagener Kreisblatt am 30.09.2026.
Fragen oder Hinweise bitte an Vanessa Deckwer
